Musikalische Zielsetzung

Sigrun Felicitas Vortisch’s Schwerpunkt liegt – sowohl solistisch mit Orchester als auch kammermusikalisch – auf den Werken der Klassik und Romantik. In diesen Epochen, die nicht umsonst als die „Hohe Zeit der Klarinette“ betrachtet werden, findet die gern als romantisch empfundene Klangfarbe der Klarinettistin ihre besondere Entsprechung.

In der Kammermusik begeistert sie ihr Publikum in vielfältigen Besetzungen, von Duo bis Quintett. In diesem Zusammenhang sei auch ihr Bemühen um die Pflege des Kunstliedes erwähnt.

Dabei ist es ihr ein persönliches Anliegen, auch selten gespielte oder vergessene Kleinode der Musikliteratur jener Zeit mit neuem Leben zu erfüllen.

Infolge zweier, beinahe tödlicher Unfälle und der frühen Konfrontation mit den existentiellen Fragen des Lebens, ist sie auch in der Musik dem Existentiellen auf der Spur – unter Verzicht auf „Sex Appeal“ und Extravaganzen.

Besondere Merkmale ihres künstlerischen Ausdruckes sind dabei eine singende Phrasierung, eine flexible Dynamik und eine klare Hervorhebung melodischer Linien. Das impliziert ein Rubato-armes Spiel, welches harmonische und thematische Verläufe vor allem durch klangliche und dynamische Differenzierungen zum Ausdruck bringt. Bewußt stellt sich die Klarinettistin damit gegen die heute weitverbreitete Praxis, mittels Ritardandi harmonische Wechsel oder Überraschungen anzukündigen.

Die Partitur eines Meisterwerkes ist der Klarinettistin heilig und der Komponist ihre erste und letzte Autorität.